FDP Karlsruhe

Karlsruhe hat sich während der letzten Jahrzehnte rasant entwickelt. Die Dynamik unserer Stadt wird geprägt von freien Bürgern, die aktiv etwas verändern möchten. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise wird an unserer Region nicht spurlos vorübergehen. Doch durch ein liberales Konzept werden wir frühzeitig die Weichen stellen.

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Zur Gründung der FDP in Karlsruhe ...

Wer zur l. Versammlung der Liberalen nach dem Krieg, die bereits am 9. Oktober 1945 statt gefunden hatte, eingeladen hat, ist nicht mehr bekannt. Vermutlich waren es Prof. Albert Kessler, der schon vor 1933 seit 1920 Vorsitzender der „Demokraten“ in Karlsruhe war, und Luise Riegger, die große Karlsruher Kämpferin für Frauenrechte.

Bei der Einladung hat man sich wohl vor allem an der alten Mitgliederliste der Demokratischen Partei orientiert, welche nach der Auflösung der Staatspartei 1934 der damalige Schriftführer Friedrich Kößler (er hatte dieses Amt ebenfalls seit 1920 inne gehabt) dem Rektor der Gutenbergschule, Emil Bergdolt, übergeben hatte. Dieser holte das rot eingebundene Heft 1945 aus jener Schublade eines Tisches im Lehrerzimmer der Gutenbergschule heraus, in die er es 1934 hineingelegt hatte...

Schon in den zurückliegenden "tausend Jahren" war der Kontakt der ehemaligen Mitglieder nie abgerissen. Ein "harter Kern" traf sich in stets wechselnden Lokalen. Fritz Simon, seit 1945 langjähriger Geschäftsführer, zählt folgende Namen auf: Prof. Albert Keßler, Friedrich Kößler, Emil Bergdolt, Karl Binder, Hubert Zircher, Eduard Fink, Julius Stritt, Josef Arnold. Sie alle bis auf Eduard Fink, der allerdings bei der zweiten Zusammenkunft am 30.10.45 dabei ist, tauchen auf der Anwesenheitsliste der Gründungsversammlung am 9.10.45 wieder auf. Die Anwesenheitsliste weist 39 Namen auf, wobei nicht alle tatsächlich Anwesenden sich in diese Liste eingetragen haben dürften (so taucht z.B. im Redeprotokoll ein Herr Duhne auf, dessen Name in der Liste nicht zu finden ist).

Folgende 39 Personen trugen sich in die Liste ein:

Dr. Max Steidel, Heinrich Theobald, Oskar Theobald, Emil Bergdolt, H. Hoffmann, Dr. Joseph Arker, Julius Stritt, Robert Ritzhaupt, Otto Steinel, Karl Schaechner, Willy Amolsch, Dr. Rudolf Raab, Dr. E. Angerer, Adolf Schneider, Wilhelm Tubach, Eugen Harsch, L. Weichselbauer, Dr. Hermann Kessler, Heinrich W. Weill, Prof. Edmund May, Dr. Karl Kirchenbauer, Karl Binder, Dr. Helmuth Rothe, Hubert Zircher, Albert Baitsch, Haußer, Lutz, Ludwig Sohn, Volker May, Karl-Albert Turban, August Krieger, Th. Dilzer, Ferdinand Schäfer, Luise Riegger, Prof. Albert Kessler, Friedrich Kößler, Karl Dittus,
Friedrich Hentschker, Dir. Broßmer

Bei der zweiten Versammlung, die bereits drei Wochen später am 30.10.45 stattfand, kamen noch 25 neue Personen hinzu, darunter Eduard Fink und ein gewisser Paul Hugo Jahn (nachmaliger Bürgermeister für die SPD!). Insgesamt waren stattliche 55 Personen anwesend. Vermutlich bereits in dieser Versammlung wurde nachstehende Satzung verabschiedet.
 

I.

Die Demokratische Partei Karlsruhe und deren Mitglieder treten im politischen Leben ein:

  1. für ehrliche Verständigung und aufrichtige Wahrheit in den Beziehungen zwischen allen Menschen und Völkern der Erde;
  2. gegen jede Lehre und Anwendung von Gewalt und rechtswidrigem Zwang gegen Menschen und Menschengemeinschaften;
  3. für klare gesetzliche Grundlagen jeder Einschränkung der Freiheit des Menschen oder seiner geistigen und irdischen Güter;
  4. für gemeinsamen Dienst am Volksganzen, unter Ablehnung einseitiger Herrschaftsansprüche und ohne jede Bindung an Stand, Beruf oder religiöses Bekenntnis unter Versöhnung aller Gutwilligen
  5. für gerechte Verteilung der notwendigen harten Lasten nach dem Maß der schuldhaften Verantwortung und des Leistungsvermögens des Einzelnen.
     

II.

Diese Ziele sucht die Demokratische Partei Karlsruhe zu verwirklichen:

  1. durch Belehrung und Aufklärung, durch Berufung auf Vernunft und Erfahrung, durch Erziehung zu ethischer Lebensauffassung und -führung;
  2. durch selbstlose tätige Teilnahme am öffentlichen Leben und an der Entstehung neuer politischer Gebilde und Ideale;
  3. durch entschlossenen Kampf gegen alle Personen, Lehren und Einrichtungen, welche in den vergangenen Jahren der Lüge, des Terrors und der Dummheit wurzelnd, das Elend des deutschen Volkes fortsetzen und verewigen wollen;
  4. durch ihre Bereitschaft zur loyalen Zusammenarbeit mit allen Parteien und Bünden, die, auch wenn sie in Einzelfragen anders denken, das gleiche Ziel anstreben.
     

III.

Mitglied dieser Demokratischen Partei Karlsruhe kann jeder werden, der

  1. sich ehrlich und entschlossen zu diesen demokratischen Gedanken bekennt;
  2. die persönlichen Voraussetzungen für die Zulässigkeit einer Parteimitgliedschaft erfüllt;
  3. eine schriftliche Beitrittserklärung abgibt;
  4. einen monatlichen Mindestbeitrag von RM 2,– bezahlt.

 

Eine schriftliche Austrittserklärung ist jederzeit zulässig.

Am 9.10.45 war der Ortsverein bereits einstimmig gegründet und ebenso einstimmig folgender Vorstand gewählt worden:

1. Vorsitzender: Prof. Albert Keßler
2. Vorsitzender: Dr. Hermann Kessler
3. Vorsitzender: Friedrich Kößler
Schriftführer: Eugen Harsch
Kassier: Die Position blieb vakant für einen noch zu suchenden "Geschäftsmann", der alsbald in dem Geflügel- und Fischgroßhändler (späteren Stadt-rat) Willi Schöpf gefunden wurde.

Im weiteren Verlauf ihrer Geschichte konnte die FDP bei verschiedensten Wahlen in Karlsruhe bis zu 20 Prozent verbuchen, sie stellte zahlreiche Stadträtinnen und Stadträte, mehrere Landtags- und Bundestagsabgeordnete, darunter den Landes- und stellvertretenden Bundesvorsitzenden Dr. Jürgen Morlok, Rita Fromm und den Justiz- und Außenminister sowie zeitweiligen Bundesvorsitzenden Dr. Klaus Kinkel. Im Europaparlament wird der Karlsruher Kreisverband durch Dr. Silvana Koch-Merin vertreten. Seit 1945 stellte die FDP mit Hermann Ball, Dr. Horst Rehberger, Ullrich Eidenmüller und Michael Obert mehrere Bürgermeister.

Wenn Sie mehr über die Geschichte der Karlsruher FDP wissen wollen, fordern Sie die 1986 erschienene Parteigeschichte „40 Jahre FDP in Karlsruhe“ an. MiO